Vortrag
Vortrag von Lutz Frisch zu Dr. Johann Adam Philipp Hepp (1797-1867)
Veranstaltungsort:
Alte Winzinger Kirche
Kirchstraße 40
,
67433 Neustadt (Weinstraße)
15. April 2026
| 19.15
bis 21.00 Uhr
Veranstalter: Bezirksgruppe Neustadt an der Weinstraße
Dr. Philipp Hepp ließ sich 1826 in Neustadt als praktischer Arzt nieder. Durch sein Wirken erwarb er sich hohes Ansehen bei der Neustadter Bürgerschaft. Als Wissenschaftler gründete er die
Pollichia zur naturwissenschaftlichen Erforschung der Pfalz mit, die er sieben Jahre lang führte. Bei seinen lebenslangen Forschungen im Bereich der Flechten entdeckte er 47 neue Arten und 29 Unterarten; neun davon tragen bis heute seinen Namen.
Hepp ist untrennbar mit der frühliberalen Demokratiebewegung in Neustadt und der Pfalz 1832 und 1848/49 verbunden. Anfang 1832 gründete er im Vorfeld des Hambacher Festes die Neustadter Filiale des Preßvereins mit und gehörte deren Vorstand an. Er unterzeichnete die Einladung zum Hambacher Fest und eröffnete im Auftrag der Festordner mit seiner Rede die Großveranstaltung auf dem Schloßberg am 27. Mai. Weil er zudem gegen die anschließende Kritik der Regierung und gegen die Restriktionen des Deutschen Bundes protestierte, kam er öfter mit der Justiz in Konflikt. So mußte er sechs Tage im „Correktionshaus“ in Frankenthal einsitzen und später fünf Wochen in Untersuchungshaft in München verbringen.
In den beiden Revolutionsjahren 1848/49 sah Hepp offensichtlich wieder eine Chance zur Veränderung der politischen Verhältnisse. Anfang März 1848 gründete er den Neustadter
Volksverein und übernahm dessen Vorsitz. Nach der pfalzweiten Ausbreitung des Vereins fungierte er auch dort als Vorsitzender. Als Redakteur und Herausgeber zeichnete er für Publikationen verantwortlich. Anfang April 1848 war er Mitglied des Frankfurter Vorparlaments. Bei der Erinnerungsfeier an das Hambacher Fest im Mai 1848 auf der Wolfsburg hielt Hepp wie schon 1832 die Eröffnungsrede. An Pfingsten 1848 besuchten etwa 40 „linke“ Abgeordnete der Paulskirche die Pfalz. Hepp eröffnete vor etwa 6 000 begeisterten Teilnehmern den Empfang auf dem Bahnhofsvorplatz in Neustadt. Ende 1848 wurde er zum Abgeordneten des Bayerischen Landtags gewählt, im Mai 1849 fungierte er als Finanzminister der Provisorischen Regierung der Pfalz, die ihren letzten Sitz in Neustadt hatte. Nach dem Einmarsch preußischer Soldaten Mitte Juni emigrierte Hepp mit seiner Familie in die Schweiz. 1851 verurteilte ihn das Appellationsgericht Zweibrücken in Abwesenheit zum Tode.
Eine Rückkehr nach Bayern hätte seine Verhaftung bedeutet. 1865 beschloß der bayerische Staat eine Amnestie für die nach der Revolution verurteilten Agitatoren von 1848/49. Hepp behielt trotzdem seinen Wohnsitz in der Schweiz bei, konnte aber wenigstens seine beiden Töchter in deutschen Staaten besuchen. Umso tragischer war es, daß er während eines Besuches bei seiner Tochter Elisabeth May in Frankfurt am 5.2.1867 verstarb.
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