Termine

Tagung
Kaiser Valentinian I. und die Pfalz in der Spätantike

Veranstaltungsort:
Stadt Speyer
67346 Speyer
von 18.10.2018 bis 20.10.2018


Die  Epoche  der  Spätantike  wird  von  der  aktuellen  Forschung anders  bewertet  als  noch  vor wenigen Jahren: Die in der breiteren Öffentlichkeit noch sehr präsenten Dekadenzszenarien („Niedergang des Römischen Reiches“) sind dabei einer deutlich differenzierteren Betrach-tungsweise gewichen. Das Modell eines „Clash of Cultures“ zwischen ‚Römern‘ und ‚Barba-ren‘ wurde ebenso in Frage gestellt wie die Vorstellung wandernder, fest gefügter Groß-Völker, die in der ‚Völkerwanderungszeit‘ das Imperium Romanum von außen zertrümmert hätten. Vielmehr werden heute Modelle diskutiert, die von fließenden Übergängen und kul-turellen  Hybridisierungen  ausgehen.  So  stellte  sich  z.B.  heraus,  dass  vermeintliche  histori-sche  Zäsuren  wie  der  große  Barbaren-Einfall  von  406/07  in  ihren  Auswirkungen  wohl  über-schätzt wurden. Der damit in Verbindunggebrachte einschneidende Bruch wird nun zuneh-mend  relativiert  und  durch  Szenarien  einer  zumindest  gebrochenen  Kontinuität  ersetzt.  Al-lerdings sind diese neuen Erklärungen bislang in der breiteren Öffentlichkeit kaum bekannt. 

Die  Pfalz  ist  ein  ideales  Gebiet,  um  an  einem  regionalen  Beispiel  neue  Erkenntnisse  zu  der Epoche der Spätantike zu diskutieren. Durch jahrzehntelange archäologische Arbeiten ist der Forschungsstand  vergleichsweise  gut,  außerdem  gibt  es  zahlreiche,  teilweise  spektakuläre Neufunde.  Als  personaler  Anknüpfungspunkt  bietet  sich  Kaiser  Valentinian  I.  (reg.  364-375) an, der den größten Teil seiner Regierungszeit in Nordgallien verbracht hat. In den Sommer-monaten  kam er regelmäßig aus seiner Residenz in Trier an Rhein, um militärische Aktionen gegen die Alamannen zu leiten und initiierte ein großes Befestigungsprogramm, welches sich auch archäologisch gut fassen lässt. Seine Anwesenheit und seine Handlungen an mehreren Orten  in  der  Pfalz  (Altrip,  Speyer,  Worms,  Alzey)  sind  durch  ausführlicheBeschreibungen antiker Autoren wie Ammianus Marcellinus, Symmachus und Ausonius explizit bezeugt, wo-raus  sich  wiederum  eine  reizvolle  Kontrastierung  mit  den  archäologischen  Befunden  ergibt. Dadurch  ist  das  dritte  Viertel  des  4.  Jhs.  die  am  besten  beleuchtete  Epoche  in  der  antiken und frühmittelalterlichen Geschichte der Region.

Die Vielzahl an literarischen und archäologischen Quellen ermöglicht es, in der Tagung zahl-reiche unterschiedliche Themen zu beleuchten. Als chronologischer Rahmen wurde der Zeit-raum von der Mitte 4. –Mitte 5. Jh. bzw. genauer von 350 bis 461 –von der Usurpation des Magnentius (‚Magnentiuswirren‘) bis zum (faktischen) Ende der röm. Herrschaft am Rhein festgelegt.

Die Tagung ergänzt damit inhaltlich und chronologisch die Ausstellung „Kaiser Valentinian I. und der Pfalz in der Spätantike“, die ab dem 16.9.2018 im Historischen Museum der Pfalz zu sehen  sein wird und zu der ein Begleitband erscheint, in dem die Themen vertiefend darge-stellt werden.




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