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Wolfgang Müller, Rez. von: Heike Hawicks / Ingo Runde (Hrsg. im Auftrag des Rektors): Die Alte Aula der Universität Heidelberg, Heidelberg University Publishing 2016, 110 Seiten, Softcover 24,90 € ISBN 978-3-946054-10-8. Open access PDF ISBN 978-3-946054




Rezensent(in): Müller Wolfgang

Erscheinungsjahr: 2016
Autor(en): Hawicks Heike, Runde Ingo

„Die Aula der Alten Universität, die verkürzt „Alte Aula“ genannt wird, ist nicht nur der Festsaal der Ruperto Carola, sie ist die Herzkammer der Universität und verdeutlicht in Allegorien und Metaphern Geschichte und Selbstverständnis der ältesten Universität im heutigen Deutschland.“ (S.7) Mit diesen Worten leitet der Rektor der Universität Heidelberg Prof. Dr. Dr. h.c. Bernhard Eitel die hier anzuzeigende, überaus ansprechend gestaltete und reich illustrierte Publikation ein, die die Beiträge zum Festakt am 13. März 2015 anlässlich der Ersterwähnung der Aula vor 300 Jahren dokumentiert. Denn in einer Akte vom 13. März 1715 wird von „Stugatur arbeith in dem großen Sahl Ewer hochlöb[lichen] Universitaet Neuen Hauses“ (S.9) berichtet, wobei es „sich damals um eine barocke Ausstattung handelte, der zum 500-jährigen Jubiläum der Universität Heidelberg im Jahre 1886 eine komplette Neugestaltung um Stile der Neorenaissance folgte.“ (S.9) Einführend beleuchtet Heike Hawicks „Funktion und Nutzung der Alten Aula im Wandel der Zeit“. So erinnert sie an die Versammlungen im Augustinerkloster und den dann unter Kurfürst Johann Wilhelm begonnenen Neubau eines Universitätsgebäudes, der wegen der Verlegung der Residenz nach Mannheim erst 1727/28 vollendeten domus Wilhelmiana, in dessen weiterer Entwicklung sich die wechselvolle Universitätsgeschichte nach dem Umzug Carl Theodors nach München, der badische Neubeginn 1803 und die Revolution 1848 spiegeln, als die Aula zum „Treffpunkt von Bürgerversammlungen zur Lage des Vaterlandes“ (S.19) wurde. Wie bereits angedeutet, erfolgte 1886 unter der Ägide von Oberbaurat Josef Durm eine umfassende, nicht gänzlich unumstrittene Umgestaltung der Aula, in der dann auch die Jubiläumsfeier 1903 zelebriert wurde. Durch das neue Kollegienhaus und die Errichtung der neuen Universität mit einer neuen Aula verlor die alte Aula als Versammlungsort an Bedeutung, rückte aber seit dem 600-jährigen Universitätsjubiläum 1986 wieder verstärkt ins Blickfeld. 
Andreas Cser widmet sich der Universitätsgeschichte im Zeichen des Neuaufbaus zu Beginn des 18. Jahrhunderts nach den Belastungen durch den Pfälzischen Erbfolgekrieg und der Zerstörung 1693, als Kurfürst Johann Wilhelm die Hochschule „zum Aktionsfeld eines kämpferischen Katholizismus machte“ (S. 36) und Professorenstellen mit Jesuiten besetzt wurden. Reinhard Düchting stellt das barocke, die Fakultäten, die Fürsten sowie die sapientia Salomonis spiegelnde  Bildprogramm der Aula vor, während Frank Engehausen die universitäre Situation im Vorfeld der 500-Jahrfeier analysiert, die durch die Spezialisierung in den naturwissenschaftlichen Fächern, den Anstieg der Studentenzahlen, eine Ausweitung des Lehrkörpers, neue Lehrmethoden insbesondere in den Naturwissenschaften und der Medizin, räumliche Expansion sowie durch politisch motivierte und durch Ressourcenkonflikte verstärkte Spannungen in der Professorenschaft zwischen kleindeutsch orientierten Protestanten und großdeutsch gesinnten Katholiken  gekennzeichnet war. Charlotte Lagemann beschreibt die im Stil der italienischen Renaissance erfolgende Neuausstattung der Aula im Rahmen der 500-Jahrfeier 1886, die alles aufwies, „was die staatstragende Kunst zur Stärkung des patriotischen, dabei gruppendynamischen Wir-Gefühls zu bieten hatte.“ (S. 66) Dabei stellt die Autorin die verschiedenen Professoren- und Fürstenporträts ebenso vor die das vom badischen Historienmaler Ferdinand Keller gestaltete zentrale, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verbindende Stiftungsbild, das den Einzug der Wissenschaften nach Heidelberg – übrigens mit der Fahne des neuen Kaiserreiches – und die Gelehrtenporträts aus der Zeit des Humanismus und der Reformation zeigt, die „das Selbstverständnis als einer zentralen Hochschule der Reformation“ unterstreichen. (S.73) Ingo Runde stellt die in der Alten Aula befindlichen Universitätsfahnen vor, die 1874 von den Studenten der Juristischen Fakultät und 1886 von den Frauen und Töchtern der akademischen Lehrer „zur Verherrlichung der gesamten Hochschule“ (S.83) gestiftet worden waren. Während Letizia Mancino-Cremer die Renovierung der Aula zur 600-Jahrfeier anhand alter Fotos Revue passieren lässt, verweist Franz Wassermann auf die 1886 auf einen Text von Karl Nikolaus von Gerbel-Embach durch Valentin Eduard Becker komponierte Festhymne „An Heidelberg“. Die Publikation stellt einen informativen Beitrag zur universitären Erinnerungskultur dar und wird ergänzt durch eine für Besucher des Museums gedachte Broschüre „Aula der alten Universität“. 


Wolfgang Müller, Rez. von: Heike Hawicks / Ingo Runde (Hrsg. im Auftrag des Rektors): Die Alte Aula der Universität Heidelberg, Heidelberg University Publishing 2016, 110 Seiten, Softcover 24,90 € ISBN 978-3-946054-10-8.
Open access 
PDF ISBN 978-3-946054-11-5 unter https://heiup.uni-heidelberg.de/catalog/book/122

Alte Aula

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